Bei der Gesundheitsuntersuchung von Lia wurde zufällig ein Befund festgestellt: die Diagnose eines niedriggradigen Mastzelltumors (Mastozytom) am linken Ellenbogen, die nach einer Feinnadelpunktion mit zytologischer Untersuchung der Tumormasse gestellt wurde.
Anschließend wurde eine CT (Computertomographie) durchgeführt. Dabei konnte der Tumor nicht dargestellt werden, was bei Mastzelltumoren relativ häufig vorkommt. Außerdem zeigte sich keine Beteiligung der darunterliegenden Gelenkstrukturen.
Das Mastozytom ist ein bösartiger Tumor mit einer sehr ungewissen Prognose, da sein Verhalten unvorhersehbar ist und eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass trotz vollständiger Entfernung des Tumors unter Einhaltung der üblichen Sicherheitsabstände neue Tumoren an anderen Körperstellen auftreten.
Nach einer gemeinsamen Besprechung und Beurteilung durch die Abteilungen für Orthopädie und Veterinäronkologie wurden die möglichen Behandlungsoptionen und deren Prognose erläutert.
1. Chirurgischer Eingriff und Entfernung des Tumors
Zu berücksichtigen ist die schwierige Lage des Tumors in unmittelbarer Nähe zu den Gelenkstrukturen. Hinzu kommt, dass Lia aufgrund ihrer Rasse nur sehr wenig Unterhautgewebe besitzt. Eine vollständige Entfernung des Tumors mit ausreichenden Sicherheitsrändern (2 cm) kann daher nicht gewährleistet werden.
Darüber hinaus würde der chirurgische Eingriff die Anlage eines Hautlappens erfordern, da im Bereich des Tumors kein ausreichend durchblutetes Haut- und Unterhautgewebe vorhanden ist. Dies stellt eine zusätzliche Schwierigkeit für die Heilung und Wundversorgung dar, die langwierig, aufwendig und belastend sowohl für Lia als auch für ihre Betreuer wäre.
Dabei wäre dennoch keine vollständige Entfernung des Tumors möglich, sodass nicht einmal eine lokale Tumorkontrolle erreicht werden könnte.
2. Weitere Möglichkeit: vollständige Amputation des Beins
Diese Option wird verworfen, da sie für Lia in Zukunft mit erheblicher Einschränkung und erhöhter Verletzlichkeit verbunden wäre. Zudem könnte auch dadurch keine vollständige Genesung garantiert werden, da mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Tumoren an anderen Körperstellen auftreten könnten. Hinzu kommt, dass Metastasen trotz geringer Wahrscheinlichkeit nicht vollständig ausgeschlossen werden können.
3. Möglichkeit einer Chemotherapie
Auch diese Option wird verworfen, da der prognostische Nutzen bei niedriggradigen Mastozytomen gering und das Ansprechen auf die Behandlung schlecht ist. Gleichzeitig würde sie für Lia einen erheblichen Verlust an Lebensqualität bedeuten.
4. Intratumorale Behandlung mit Stelfonta in bestimmten Fällen
Diese Behandlung führt zu einer Ulzeration des Tumors. Bei Lia wird sie aufgrund der komplizierten Lage des Tumors ausgeschlossen, da durch die Nähe zu wichtigen Gelenkstrukturen auch Knochen, Knorpel, Sehnen und andere für die Funktion des Gelenks wesentliche Gewebe geschädigt werden könnten.
Prognose und Entscheidungsfindung
Unter Berücksichtigung von Lias Alter, der sehr ungewissen Prognose dieser Tumorart, des unvorhersehbaren Verhaltens von Mastozytomen, der hohen Wahrscheinlichkeit des Auftretens neuer Tumoren an anderen Körperstellen, der schwierigen Lage des Tumors mit der daraus resultierenden Unmöglichkeit einer vollständigen Entfernung sowie der geringen Erfolgsaussichten und der Nebenwirkungen der übrigen Behandlungsmöglichkeiten,
und unter Berücksichtigung von Lias derzeit guter Lebensqualität sowie nach Abwägung von Nutzen und Risiken, wird entschieden, den natürlichen Verlauf zuzulassen und Lia weiterhin ein gutes Zuhause zu bieten, in dem ihr geholfen wird, mögliche zukünftige Beschwerden zu lindern und ihr Wohlbefinden bestmöglich zu erhalten.
Die beste Prognose bei einem Mastozytom nach vollständiger Entfernung liegt bei einigen Monaten bis zu zwei Jahren.
Da bei Lia keine vollständige Entfernung möglich ist und es sich um einen niedriggradigen Tumor handelt, ist die Prognose sehr ungewiss und liegt möglicherweise zwischen einigen Monaten und ein bis zwei Jahren. Sie bleibt jedoch insgesamt sehr unsicher.
Zusätzlich zum Mastozytom leidet Lia an Dermatitis und Wunden an der Rute. Es wurden Allergietests durchgeführt, bei denen einige Futtermittelallergien festgestellt wurden. Sie ist allergisch gegen Rindfleisch, Milch und Hausstaubmilben
Nach Rücksprache mit der Onkologin wurde erklärt, dass Mastozytome Histamin freisetzen. Deshalb wird empfohlen, den Tumor nicht zu massieren, da dadurch noch mehr Histamin freigesetzt werden könnte, was Entzündungen und Juckreiz verursachen kann.
Aus diesem Grund wurde die Ernährung auf ein hypoallergenes Futter umgestellt.
Die Läsionen an der Rute konnten zunächst vorübergehend unter Kontrolle gebracht werden. Später kam es jedoch zu einer plötzlichen deutlichen Verschlechterung. Vermutlich aufgrund von Juckreiz oder Schmerzen hat sie sich selbst schwer verletzt, sodass bereits zweimal eine Teilamputation der Rute erforderlich war.
Darüber hinaus musste sie im Verlauf dieser Ereignisse wegen einer akuten Magendrehung notfallmässig operiert werden.
Lia wurde von einem Paar aus einem Tierheim adoptiert und lebte viele Jahre in einer Familie zusammen mit dem Hund Zeus. An ihrem Körper sind noch heute Narben sichtbar, die an ihre Vergangenheit voller Misshandlung erinnern.
Im bisherigen Zuhause waren zwei grosse, ältere Hunde irgendwann nicht mehr erwünscht. Lia und Zeus wurden deshalb überwiegend in den Patio beim Waschraum ausgelagert und verbrachten dort einen Grossteil ihres Alltags. In letzter Zeit kamen sie kaum noch aus diesem Bereich heraus.
Als Lia im Tierheim Melampo ankam, bekam sie beim Laufen auf dem sandigen Boden Verletzungen an den Pfotenballen. Dies lässt vermuten, dass sie zuvor über lange Zeit kaum ausserhalb des Patio unterwegs gewesen war.
Trotz ihrer Vergangenheit zeigt sich Lia als besonders sanfte und liebevolle Hündin. Gegenüber den freiwilligen Helfern verhält sie sich ruhig, unterwürfig, verschmust und gehorsam. Sie hat einen freundlichen Charakter. Mit anderen Hunden ist Lia ebenfalls gut verträglich.
Beim Tierarzt wurde Lia negativ auf Mittelmeerkrankheiten getestet.
Lia läuft gut an der Leine, fährt ruhig im Auto mit und hat sich bei der tierärztlichen Untersuchung ruhig und entspannt untersuchen lassen.
Lia wünscht sich ein liebevolles Zuhause bei Menschen, die ihr mit Geduld und Verständnis begegnen und ihr zeigen, wie schön ein behütetes Hundeleben sein kann. Nach allem, was sie erlebt hat, hoffen wir sehr, dass die liebe Lia endlich ihren sicheren und endgültigen Lebensplatz findet. Bitte informieren Sie sich über die Rasse „Galgo“, damit Lia in neuen Zuhause für immer bleiben darf.
PATENSCHAFT: Wir danken Debby Peter für die Unterstützung von Lia.
PATENSCHAFT: Wir danken Claudia Aebin für die Unterstützung von Lia.